Das folgende Gedicht liegt auch als pdf-Datei (900 KB) vor, die mit dem kostenlosen Acrobat-Reader gelesen werden kann. Der umfangreiche interessante Reisebericht (2,3 MB) von Peti Scholze kann ebenfalls als pdf-Datei gelesen oder heruntergeladen werden sowie auch der Bericht von Roswitha Kölbl über Schloss Miramar (91 KB) und seinen Besitzer Kaiser Maximilian von Mexiko. In den pdf-Dateien sind weitere Bilder integriert. Als großformatiges Bild (jpg-Datei, 401 KB) ist zum Download - und damit natürlich auch zur Ansicht im Browser - Manets "Erschießung Kaiser Maximilians von Mexiko" beigefügt.
Und wie so oft in den vergangnen Jahren
sind wir auch dieses Jahr – zweitausendvier –
vorfreudig nach Italien gefahren;
und mehr als vierzig Leute waren wir,
die früh um sechs, Pfingstsonntag, mit dem Bus
losfuhren, fühlend tief ein zwanglos Muss.
Denn zwanzig Jahre ist es jetzt schon her,
dass unsre Gruppe, nun zwar etwas älter,
die Koffer packt und über Land und Meer,
– dabei in ihrer Leidenschaft nie kälter –
mit frohem Mut zu fernen Ländern strebt,
stets wissend, dass sie Neues dort erlebt.
Friaul, das Veneto sowie Venedig,
sie waren diesmal unser neues Ziel;
und da uns immer auch das Wetter gnädig,
versprachen wir uns von der Reise viel,
zu der wir, wie in all den frühern Jahren,
von Walter bestens vorbereitet waren.
Venzone war dann unsre erste Stadt,
die partnerschaftlich eh mit uns verbunden
und die ein Beben stark verwüstet hatt’,
von dem wir nicht mehr Vieles vorgefunden,
denn aufgebaut ist sie in altem Schmuck,
erzwungen nur durch ihrer Bürger Druck.
Erläutert wurd’ uns dann bei Cividale,
wie wechselvoll es war in der Region;
gar mancher hörte dies zum ersten Male,
nur mancher wusste manches schon davon,
wie hier die Völker aufeinander prallten,
Besitz ergreifend sich ins Land einkrallten.
In Cividale konnten wir schon sehen,
dass in der Frühzeit Kelten dort gewesen.
Jedoch sie mussten, wie wir wissen, gehen.
worauf hier lange herrschte römisch Wesen;
Byzanz war da, da waren auch die Goten,
bald schickten Langobarden ihre Boten.
Sie gründen hier ein erstes Herzogtum
und bringen Frieden und das Land zur Blühte,
doch suchen dann die Franken hier nach Ruhm
– worum sogar der Papst sich stark bemühte –
mit Pippin erst und dann mit Karl, dem Sohne;
der setzt sich auf der Langobarden Krone.
Und vierzehn-zwanzig schließlich kommt Venedig.
Auch dessen Herrschaft tut dem Landstrich gut;
man ist zwar längst nicht jeder Sorge ledig,
doch froh, dass Friede überm Lande ruht.
Die Seemacht nämlich braucht im Rücken Ruh,
drum lässt man auch im Lande manches zu.
So sehn wir hier gar wunderschöne Städte,
Gemona beispielsweis gehört dazu,
die alte Kirche prangt mit der Rosette,
sie zu bekritteln, traut sich keiner zu;
vier Meter hoch dann noch Christophorus,
der steinern trägt das Knäblein durch den Fluss.
Venedig herrschte, bis Napoleon kam,
nach dessen Scheitern Österreich erschien.
Mit beiden wurd das Veneto nicht warm;
der Erste Weltkrieg schied es ganz von Wien
nach einem Kampf, der im Gedächtnis blieb,
den eindrucksvoll auch Hemingway beschrieb.
Vier Nächte schliefen wir in Udine.
Hotel Friuli bot uns Nachtquartier;
zu loben ist es übern grünen Klee;
aus diesem Grund nenn ich den Namen hier.
Die Zimmer, Essen, Trinken, Personal:
Ja, ohne jeden Abstrich optimal!
Leicht östlich dann, dort wo es bergig wird,
lässt Schönheit pur nicht lange auf sich warten.
Denn um die Villa Claricini führt
ein Pfad in einen wundervollen Garten,
in dem fast frevlerisch wir Picknick hielten
und uns zufrieden, auch geborgen fühlten.
Rocca Bernarda, eine trutzig Burg,
sowie die Abbazia di Rosazzo,
geschaffen scheinen sie vom Demiurg,
denn keiner sonst vereinigt Berg und Bau so!
Und über Rosen schweift der Blick ins Tal,
der Abschied hier gestaltet sich zur Qual.
Schon weit profaner zeigt sich uns Triest.
Als Hafenstadt, von vielen einst begehrt,
bewahrte es zeitweilig einen Rest
von Unabhängigkeit. Erfolgreich wehrt
es ab die Übernahme durch Venedig.
Geschadet und genutzt hat es wohl wenig.
Und auf der Rückfahrt kam der große Regen,
als wir Schloss Miramar besuchen wollten.
Hier pflegte Maximilian sich zu pflegen,
dem einst die Mexikaner ernsthaft grollten.
Er wollte zu gern dort ihr Land regieren,
sie fingen ihn, um ihn zu füsilieren.
Auch Rilke wurde uns ein Raub der Schauer,
Duino mussten wir links liegen lassen
vor Regengüssen, dicht wie eine Mauer;
auch bei den Elegien mussten wir drum passen,
fast glaubten wir, dass dort ein Panther läge;
“…ihm war, als ob es tausend Stäbe gäbe…“
Ein echter Höhepunkt war Aquileia,
wohin wir uns am vierten Tag begaben,
man meint, die Mosaike wärn seit je da,
die man vor hundert Jahren ausgegraben.
Sie ruhten unversehrt dort unterm Schlamm.
Nach Grado fuhren wir dann übern Damm.
Und beide Orte sind prall voll Geschichte.
Was hier sich alles einstens zugetragen,
lässt nicht sich schildern hier in dem Gedichte
und kaum auch nur mit wenigen Worten sagen.
Doch schildern kann ich, dass wir Bötchen fuhren:
Auch die Lagune zeigt der Völker Spuren.
Die terra ferma lag, wie wir wohl hörten,
vierhundert Jahre in Venedigs Hand.
Denn gegen Feinde, die die Seemacht störten,
braucht Ruhe sie in ihrem Hinterland.
Man musste sich das Festland einverleiben,
wollt’ ungestört zur See den Handel treiben.
Venedig war sehr reich, es schwamm in Geld.
Nun wollte mit dem Gelde man auch klotzen;
drum haben viele draußen auf dem Feld
ein edles Häuschen hingebaut, zum Protzen.
So stehen nun, meist nach Palladios Willen,
im Hinterland verstreut die schönsten Villen.
Und viele Villen haben wir besucht:
So, bei Codroipo, die des Dogen Manin,
der letzte war er, zwar auch sehr betucht,
doch Freund und Feinde letzten Endes sahn ihn
als Feigling an, der vor Napoleon kuschte
und tausend Jahre Republik vertuschte.
Uneigennützig nicht tat uns bei Susans
ein Weg zur Villa Colloredo führen,
denn hier am Tagliamento ist es Usance,
in San Daniele Schinken zu probieren.
Und freudig kehrten wir natürlich ein;
es sollte echt ein rechter Festschmaus sein.
Drauf führt die fesche Italienerin
uns in die Schinkenzubereitung ein.
Doch manche von uns hören gar nicht hin,
denn mehr als Schinken intressiert das Bein,
das keck im spitzen Schühchen steckt,
hochhackig sich aus Stöckeln reckt.
Nah bei Venedig liegt, gleich an der Brenta,
somit bequem erreichbar leicht per Schiff,
die Villa der Foscari, Malcontenta;
Palladio baute sie genial mit Pfiff
– von innen und von außen ein Genuss.
Zurück nahm falsch die Brücke unser Bus.
Und östlich dann von Padua bei Stra
der größte Bau, genannt La Nazionale.
Für einen Dogen stand die Villa da,
und Doge: „Bitte zahle, bitte strahle!“
Und das zur Zeit, in der’s schon abwärts ging,
Venedigs Glanz schon über’m Abgrund hing.
Pisani gab der Villa seinen Namen,
doch trugen sich auch andre Männer ein;
die Meisten sogar ungebeten kamen,
und meistens zeigten sie sich auch nicht fein.
Napoleon beispielsweis war einer ihrer
und später dann die zwei Faschisten-Führer.
Nach Norden über Castelfranco, wo
wir am Stadtrand unser Picknick hielten,
ging’s nach Masèr zur Villa Bàrbaro.
Man weiß, die Namensgeber, Brüder, spielten
auch in Venedig eine große Rolle;
drum baut Palladio dies Haus, das tolle.
Die Lage dieser Villa fasziniert.
An einen sanften Hügel angeschmiegt
hat er am Monte Grappa sie platziert.
Wir staunten echt, wie herrlich sie dort liegt.
Von Veronese sind die Fresken innen;
sie waren schöner als die Wärterinnen.
Doch für Treviso blieb uns wenig Zeit,
die schöne Stadt mit Mauer und zwei Flüssen,
sie zu genießen waren wir bereit,
doch haben wir leider heimwärts fahren müssen.
So mancher, Walter, hat sich vorgenommen,
hierher in Bälde wieder herzukommen.
Venedig nun, den Höhepunkt der Reise,
erreichten immer morgens wir per Boot,
und jeder dann genoss auf seine Weise
die Silhouette, die sich dabei bot.
Denn wohnen taten wir in Jesolo.
Ob dieser Fahrt warn wir darüber froh.
Venedig war als Handelsstadt sehr reich
und hat das auch nach außen nicht kaschiert.
Ein jeder, der hierher kommt, sieht das gleich,
jedoch gehört so manches renoviert.
Tu es Venedig, denn du bist nicht arm
und längst noch nicht verblichen ist dein Charme.
Venedig lässt sich nicht im Vers beschreiben,
ich kann nur etwa sagen, was wir sahn.
Man müsste hier ein halbes Leben bleiben,
denn jede Schilderung ist zu profan.
La Serenissima verweigert sich der Feder;
ich hoffe, das versteht ein jeder.
Piazza und Basilica San Marco
warn für uns Ausgangspunkte wie für jeden.
Doch konnten wir, und waren deshalb arg froh,
beim Schauen, Staunen, Hören und auch Reden
leicht ungestört genießen hier die Pracht,
weil Pfingsten noch nicht jeder Urlaub macht.
Wir sahen Kirchen wie San Zaccaria
und sind zu Sant’ Giovanni hingegangen,
sahn Tizians Assunta der Maria
am Hochaltar der Frari-Kirche prangen.
Und weiter ging es stets zum nächsten Ziel;
viel sahen wir und hörten auch sehr viel.
Auch zwei Museen haben wir besucht:
die Galerie dell’ Acadèmia
und Peggy Guggenheim, die sehr betucht,
war wohl in allerneuster Zeit noch da.
Doch Alt und Neu, das hörte man von allen,
verträgt sich gut und hat uns gut gefallen.
Ja, ein paar Künstlernamen muss man nennen:
Bellini, Tizian, Carpaccio
und weitre Namen, die wir alle kennen,
wie Tintoretto und Tiepolo,
auch Veronese trifft man hier auf Schritt und Tritt
und alle nehmen wir in der Erinn’rung mit.
Erwähnen möchte ich, zwar nur am Rande,
dass auch wir taten, was ein jeder tut:
Wir fuhren einmal auf dem Canal Grande,
weil – Vaporetto-Fahren tat auch gut
und einfach Bummeln durch die schöne Stadt
und Wirkenlassen, was sie Schönes hat.
Zufrieden schieden wir und wieder froh,
dass so erfolgreich war die letzte Reise.
Adieu Venedig, ciao dem Veneto!
Auch sie beschlossen wir in alter Weise:
Wie immer waren alle auf dem Posten,
zum Schluss den Wein im Weingut zu verkosten.
Zur Legende
Reise vom 30. Mai bis 8. Juni 2004