Peloponnes

Epidaurus

Sonntag, 22. Mai 1994

Die Stadt liegt noch in dunkler Morgenstund,
Pfingstsonntag ist es, und
in vielen Häusern springen Menschen aus den Betten
von Uhren wachgerüttelt,die sie selbst gestellt.
Sie könnten weiterschlafen, hätten
sie die Hellas-Reise nicht bestellt.

Sie hasten durch die Häuser, man hört die Koffer klappen,
und eilen, auf Ottos oder Diesels Rappen,
zum gleichen Ziel, zum ASG*.
Und dort steht schon bereit die gute Fee,
die gute Fee vom ASG.
Wir brauchen ihren Namen nicht zu nennen,
den Lehrer, Schüler, Eltern, alle kennen;
und neben ihr ein Mann gleich wie Apoll,
den Stoppelbart gespreizt im frühen Morgenlicht,
den Körper ganz entspannt und doch erwartungsvoll.
Der Kowa ists, wer wüßt es nicht.

Und wie ein Strudel saugt der Platz die Menschen an,
von Alterlangen, Kosbach, Langensendelbach,
von Dechsendorf und Bubenreuth,
von Sieglitzhof und Büchenbach
sowie aus In der Reuth.
Und alle sind sie pünktlich, Frau wie Mann.

Selbst Dennhöfer/Wiese, den Wecker falsch gestellt,
und dieser - unwissend und unfühlend Ungetüm -
hat dann auch nicht geschellt,
sie fahren hoch, den Schrecken im Gesicht,
wohlwissend, Pünktlichkeit ist ihre Pflicht.
Und pünktlich sind sie schließlich alle da
und stehen wie aus einem einzgen Guß.
Nur einer fehlt - der Omnibus!

Hier zeigte sich sofort die Weitsicht bei der Planung,
die uns von Dieter Risack ist vertraut.
Als hätte er im voraus eine Ahnung,
hat er ein zeitlich Puffer eingebaut.
Dies nutzend kamen wir beizeiten
und auch zur rechten Zeit am Flugplatz an.
Wir stiegen ein, wir stiegen auf, begannen bald zu gleiten,
vertrauten uns Olympic Airways an.

Und dann hat uns hoch oben in den Lüften,
im Angesicht von Städten, Bergen, Klüften,
ein erstes hehres Schaudern angerührt -
den Hauch der Götter haben wir gespürt.
Da nur profan ein Ticket buchend,
warn wir das Land der Griechen
- zwar mit der Seele -
zunächst doch mit dem Flugzeug suchend.

Und plötzlich sehen wir dies Land tief unten liegen,
die Wiege unseres Abendlands.
Beim Überfliegen
Richtung Süden
liegen zur linken Hand
die Inseln der Ägäis und das Küstenband.
Und rechts grüßt trutzig der Olymp
mit schneebedeckten Hängen.
Was denkt der Göttervater Zeus?
Ob wir ihn wohl bedrängen?

Wir lassen dies im Raume stehn,
denn in der Ferne grüßt Athen,
von oben wundervoll zu sehn.
Das Flugzeug legt sich auf den linken Flügel,
es senkt in weitem Bogen sich hinab,
es winkt die Insel Salamis mit waldesgrünen Hügeln,
Saronikos geleitet uns herab.

Bereits erwartet werden wir
von unserm Lenker Dimitri,
mit Plotins Rossen im Geschirr,
und ab ging es mit Hott und Hü.
Er blieb zwei Wochen unser Lenker,
hat alle Wünsche uns erfüllt.
Doch manchmal dachten wir, was denkt er,
wie hat er sich mit uns gefühlt?

Von jetzt an beginnt dann die große Zeit des Walter Möhrlein.
Er kennt sich in Griechenlands Auen so gut aus wie sonst nur zu Haus.
Er schildert die Mythen der Welt der Antike, als wäre es heut,
und nennt uns voll Kenntnis die Fakten aus Hellas Geschichte genau.

Es stehn ihm zur Seite gute Gefährten, die ihn unterstützen:
Kowalewski und Scholze, Mann wie auch Frau, dazu noch Frau Sternberg.
Und alle sie strotzen vor Wissen und auch Beredsamkeit.
So warn wir gerüstet, die (den) Peloponnes auch geistig zu lernen.

Noch abends aber in Athen
ließ Möhrlein uns spazierengehn
und zwar zum Berg des Philopappos.
Der Blick hinunter macht uns sprachlos.
Rings um uns brodelte die Stadt.
Wer das noch nie gesehen hat,
weiß nicht, was Südeuropa ist.
Und auf dem nächsten Bergesrist
grüßt rüber die Akropolis.

Montag, 23. Mai 1994

Und tags darauf gings nach Korinth.
Am Wege streiften wir geschwind
das Kloster Daphni,
hörten in Eleusis Demeter und Hades nennen,
und in Perachora lernten wir die Hera kennen.
Nach einem Marsch in Sonnenglut
tat schließlich dann das Baden gut,
wo manche Dame fauchte,
weil einer sie eintauchte.

Dienstag, 24. Mai 1994

Von da an ging es Schlag auf Schlag,
Höhepunkte Tag für Tag.
In früher Stund Akrokorinth,
zu dem wir aufgestiegen sind,
am Nachmittag die alte Stadt,
die mittig die Agora hat.
Den Bogen spannt aus alter Zeit
bis in die frühe Christenheit
Kowalewski, unser Kenner,
auf dem Gebiet ein echter Renner.

Zum Abschluß durfte der Chronist,
der drum gebeten worden ist,
den "Ibikus" dort rezitieren -
und alle taten applaudieren.
Und das an der historschen Stätte;
wenn Schiller das noch gesehen hätte.
Am Abend schwamm man eine Runde,
Akrokorinth im Hintergrunde.

Mittwoch, 25. Mai 1994

Wir tauchten jetzt ein in die ganz alte Szene
und suchten und fanden die Burg von Mykene,
dort wo Agamemnon nach Troja aufbrach
und Klytemnestra ihn später erstach.
Die Mauer, die Gräber, das Löwentor,
das alles kam uns unfaßbar vor.
Es wurd deutlich, wie schwer doch das Leben war,
das Achaia dort führte vor dreitausend Jahr.

Und Frau Scholze berichtet mit leiszarter Stimme
von schaurigen Mythen und Taten, sehr schlimme.
Von Rache und Neid und Eifersucht,
von Gattenmördern und Ehebruch,
von Leichenschändung und Brudermord,
von Kannibalismus, Kindermord
und weiteren Untaten und Inzest.
So ist es wohl gewest.

Am Abend empfing uns dann Nauplia,
wir glaubten zuerst, das ist nicht wahr.
Eine liebliche Stadt mit Hafen am Meer,
mit blühenden Bäumen und Altstadtflair.
Hier saßen wir dann im Mondenschein
und ließen die Götter Götter sein.

Donnerstag, 26. Mai 1994

Epidaurus, Theater und Zentrum für Äskulaps Kunst.
Erstauntes Bewundern und wunderndes Staunen bei uns.
Herr Scholze mit mächtigen, klärenden Worten nutzte die Gunst
der erhabnen Kulisse, Geschichte und Bauwerk zu deuten,
während Möhrlein und Ko uns mit klassischen Versen erfreuten,
die die obersten Ränge zwar nur als Gemurmel erreichten,
aber trotzdem, da tragisch, Gemüter und Herzen erweichten.

Nochmal zurück zu Äskulap,
zu jenem mit dem Schlangenstab.
Er pflegt den Mensch in seinem Hain,
fragt nicht mal nach dem Krankenschein,
steckt ihn in extra Räume,
heilt ihn durch Schlaf und Träume
in Form der Ganzheitstherapie;
die Menschen strömten wie noch nie.
Und wie man heute sicher weiß,
war er der erste "Gott in Weiß".

Die zweite Nacht in Nauplia
so schön wie auch die erste war.
Zuvor jedoch besuchten wir
die Festung Palamidi hier,
bei der der Name nur antik,
weshalb man auch nicht lange blieb.

Der Palamides war ein Krieger
tapfer, schlau, doch sonst ganz bieder.
Er mußte lang vor Troja warten,
erfand dabei das Spiel mit Karten.
Dies hat Herr Scholze uns erzählt,
bevor wir uns hinabgequält
annähernd über tausend Stufen;
man hörte manchmal leises Fluchen.

Freitag, 27. Mai 1994

Die Fahrt ging weiter Richtung Sparta in den Süden.
Im kühlen Bus genießen wir in vollen Zügen,
wie Herr Möhrlein druckreif, wohlgesetzt
vor unserm Aug die Alten auferstehen läßt,
wie Sparta aufstieg, blühte und verschwand.
Ein bißchen haben wirs von früher noch gekannt.

Menelaos, Helena
waren anfangs glücklich da.
Doch auch die Dorier fühlten hier sich wohl
und wurden bald zum Gegenpol
für die Athener, welche dann den großen Krieg verloren.
Obwohl sie so als Herren dieses Lands erkoren,
lebt der Spartaner stets spartanisch weiter;
für die besiegten Völker war das gar nicht heiter.
Bis schließlich Theben kam und Spartas Phalanx knackte,
Epaminondas, der Stratege, Stadt und Land für sich einsackte.

Auf dem Wege nach Sparta da haben wir
ein liebliches Kleinod gefunden.
Zehn freundliche Nonnen leben hier,
mit Natur und mit Gott umwunden.
Dir kleines Kirchlein, vom Brand unversehrt,
im blühenden Garten, Ikonen-verziert,
bleib ich für immer verbunden.

Am Abend in Sparta, bei Dunkelheit,
im Ruinenfeld, es war nicht weit,
hat der Chronist sich nicht geniert
und wiederum Balladen zitiert.
Von Ludwig Uhland "Des Sängers Fluch",
doch damit war es nicht genug,
"Die Bürgschaft" von Schiller noch dazu.
Dann hatte die arme Seele Ruh.

Samstag, 28. Mai 1994

Und jetzt stand Mystras auf dem Programm,
die Festung hoch auf dem Bergeskamm.
Von Kreuzrittern, Franken, angelegt,
war ihre Geschichte sehr bewegt.
Byzantiner und Türken herrschten dort,
und lange besaß Venedig den Ort.

Wir stiegen hinauf im Sonnenglast,
bestaunten die Schönheiten ohne Hast.
Herr Möhrlein uns auch noch von innen erwärmte,
indem von Byzanz und Franken er schwärmte.
Nach einem Picknick im Zitrushain
mit Käse und Brot und 'nem Gläschen Wein
gabs Abkühlung erst nach weiterer Fahrt -
bei Githion im Meer ein Bad.

Sonntag, 29. Mai 1994

Mani - Ausflugsstenogramm
Ursula schlief die Nacht am Strand
kaum Tourismus
karges Land
Heimatstadt von Petro Bey
Totenmesse Popensang
Kriege gingen nie vorbei
Piratennester
Sippenleben
Freiheitskämpfe
bessres Leben
Sparta Franken und Byzanz
keiner kriegt sie ganz
Entvölkerungsbilanz
Tropfsteinhöhlen Stalagtiten
Achterboot mit Seeräubertypen
Wohnungstürme Stalagmiten
Was kann Walter Möhrlein bieten
Mittagessen organisieren
Mittagessen dann servieren
Mittagessen inhalieren
Mittagessen abkassieren
ja er kanns

Montag, 30. Mai 1994

Nun mußten, besser durften wir Taygetos überqueren,
um - wie einst Spartas Krieger - ins schöne Land Messenien zu gelangen;
sie tatens, um ihr wachsend Volk zu nähren,
und wir, um weitre Bildung zu erlangen.

Dichte Laub- und Nadelwälder säumen unsre Straße,
die sich in engen Kurven an die steilen Hänge schmiegt.
Die schwer armierten Krieger quälten sich im höchsten Maße
und haben drüben dann auch noch gesiegt.
Wir sahen bei der alten Stadt Messini die festgefügten Mauern,
die einst nur gebaut, um Spartas Sturm zu überdauern.

Herr Möhrlein gibt für gutes Zuhörn uns zum Lohne
im Sonnenschein den Aufstieg frei zum Berg Ithome.
Und müde, abgeschlafft, erschöpft wie einst die Krieger
erreichen wir in Kalamata das Quartier,
das beste bisher. "Wir kommen wieder"
erscholls am Abend oft bei Wein und Bier.

Dienstag, 31. Mai 1994

Von Kalamata gings quer durch Messenien nach Pylos.
Dort sahen wir vom Bus die enge Bucht;
im Freiheitskampf der Griechen war hier viel los,
die alliierte Flotte hindert - fast versehentlich - die Flucht
der türkischen, besiegt sie und bringt so die Wende
und für Griechenland ein positives Ende.

Doch rechnen wir, von heute aus gesehen,
dreitausend und dreihundert Jahre mal zurück,
auch da ist hier schon äußerst viel geschehen,
denn Nestor schmiedete damals sein Glück.
Er baute den Palast, in dem wir staunend standen,
den Wissenschaftler erst in unsern Tagen fanden.
Was tuts, wenn heute keine Mauern hier mehr stehn?
Die Treppe sehen wir, schließt du die Augen,
kannst du sogar auch die Empore sehn.

Und plötzlich sträubt der Kugelschreiber sich zu reimen,
wie blaß ist doch ein Reim vor dieser Urgewalt.
Man glaubt, es muß etwas Unmögliches geschehen:
Der Himmel hörte auf zu atmen,
die Erde würde mit den Zähnen knirschen
und Flüsse müßten aufwärts fließen.

Ein dreitausenddreihundert Jahre alter Blick
geht bis zum Meer hinunter.
Der alte, weise Nestor kommt von Troja wieder.
Telemachos sucht ihn hier auf,
um nach Odysseus, seinem Vater, sorgenvoll zu forschen.
Als Unbekannter
wird er gebadet und gesalbt von Nestors jünster Tochter
und mit zum Hochzeitsmahl gebeten.

Homer beschreibt es in der Ilias.
Wir sehen dort die Wanne stehen.
Sie kann es sein, es ist unglaublich!

Nur hundert Jahre hatte der Palast Bestand,
dann wurde er zerstört.
Zu lieblich war er angelegt,
zu wenig wehrte er sich gegen Feinde;
doch zu seiner Zeit war hier das Leben lebenswerter
als im finsteren Mykene.

Und alles das, was hier versucht wird zu beschreiben,
macht deutlich uns die Schilderung durch Walter Möhrlein.
Wir danken ihm dafür.

Es war nicht möglich, länger zu verweilen.
Im Gegenteil, wir mußten uns beeilen,
denn, weiß Gott, für diesen Tag
eine weite Strecke vor uns lag.

Die Strecke war zwar lang, doch wunderschön.
Wir konnten die Natur in ihren schönsten Farben sehn;
entlang der Straße, aber auch abseits im Feld,
die Blumen blühten rot und blau, weiß, violett und gelb.

So wars am Meer in Richtung Norden
wie auch nach Osten, als es in die Berge ging,
selbst hinter Megalopolis auf schmalem Weg nach oben,
wo unser Bus oft zwischen Berg und steilem Abhang hing.

Und oben, ja du glaubst es nicht,
dort oben steht ein großes Zelt.
Und einer aus der Runde spricht:
"Wer hat denn das da hingestellt?"

Doch bald ist auch dem letzten klar,
das Zelt, das ist zum Schutze da,
zum Schutze für Apollons Tempel.
Ein schlechtes oder gut Exempel?

Der Anblick quält das Auge sehr,
doch, schutzlos, stünd er bald nicht mehr,
Apollons grandioser Tempel
- dort oben
- in Bassae.

An diesem Tag fuhren wir schließlich noch bis Olympia.

Mittwoch, 1. Juni 1994

Olympia - da könnten wir uns leicht bescheiden
und weitere Erläuterungen meiden,
denn wer auf dieser Welt kennt nicht Olympia,
auch in Gedanken war wohl jeder schon mal da.

Und trotzdem, steht man selbst an dieser Stelle
und hört aus allerbester Quelle,
wie es hier anfing und verlief,
wie Kult mit Sport zusammenlief,
wie Heras Tempel hier entstand
und der von Zeus, man ist gebannt.

Wir streiften durch das Kultgelände,
bestaunten die Museumsstände,
verweilten auch schon mal im Schatten
bis wir uns vollgesogen hatten.

Dann abends beim Ambrosius
da frönen wir dem Weingenuß
und werten einen Zwitscherschall
als Schlagen einer Nachtigall.
Zweifel blieb auf jeden Fall:
Nicht jeder, der nachts zwitschert,
ist gleich auch eine Nachtigall!

Donnerstag, 2. Juni 1994

Erneut bestiegen wir den Omnibus
und wußten, weit wird heut die Reise gehn.
Peloponnes adieu, tschüß, Schluß,
heut abend sind wir in Athen.
Nach Norden gehts zunächst entlang dem Ionschen Meere,
wir lassen Patras liegen, Hafen der Italienfähre,
und folgen ostwärts hier dem Golfe von Korinth,
bis wir dann etwa vis-à-vis von Delphi sind.

Nach Süden wenden wir, den Berg hinan,
bis vor uns liegt das Kloster Mega Spileon.
Gleich einem Schwalbennest an steilen Fels geklebt,
hat es schon schicksalhafte Zeiten durchgelebt.

Es brannte mehrmals ab, zuletzt vor sechzig Jahren.
Und grausam haben viele Menschen
unschuldig hier den Tod erfahren.
Was hier geschehn im letzten Krieg,
wir waren alle sehr betroffen,
darf nie sich wiederholen,
wir können dies nur innig hoffen.

Beim Eintritt war es dann ein wenig kurios,
da ließ das Schmunzeln uns nicht los,
wie Mönche unsre Damen
in grobe Röcke steckten,
selbst wenn die langen Hosen
das letzte Fleckchen Haut bereits bedeckten.
Auch haben sie ein etwas kindliches Gemüt,
wie man an vielen aufgestellten Bildchen sieht.
Doch dürfen sie auch edle Schriften aufbewahren,
die teils schon über tausend Jahr alt waren.

Danach war es dann nicht mehr weit,
Athens Hotel, es war für uns bereit.
Wir mußten nur den Isthmus von Korinth noch queren.
Wir werden lang von dieser Rundfahrt zehren.

Freitag, 3. Juni bis Sonntag, 5. Juni 1994

Zwar blieben wir noch gut zwei Tage in Athen
und haben außer der Akropolis
noch viele interessante Dinge hier gesehn.
Doch enden wir an dieser Stelle das Gedicht
und sagen nochmal herzlich Dankeschön.

*ASG = Albert-Schweitzer-Gymnasium in Erlangen

Zur Legende


Reise vom 22. Mai bis 5. Juni 1994