Kreta - Rhodos

Knossos

Überschriften der 20 Sonetten:

Die Gruppe
Die Ankunft
Die Insel
Die Samariá-Schlucht
Die Fahrt zur Schlucht
Fahrt nach Heraklion
Minoische Paläste
Messará-Ebene und Górtys
Santorin
Rückfahrt von Santorin
Kritsá
Lasithi-Hochebene
Kazantzakis' Grab und Jouchtas
Archánes
Freiheitssinn der Kreter
Die Insel Rhodos
Die Bauten
Sehenswürdigkeiten
Hotel am Meer
Museen

Die Gruppe

Nach Kreta zog es uns in diesem Jahr,
nach Kreta, Schnittpunkt dreier Kontinente.
Ein paar von uns waren früher schon mal da,
und viele von uns sind bereits in Rente.

Die Gruppe groß, wir waren vierzig Leute,
von denen, sagt man, jeder jeden kennte
und die, das sag ich nicht erst hier und heute,
dortselbst in ihrem Wissensdurst nichts hemmte,

die überall gewissenhaft und eifrig
beim Lauschen, Laufen, Schauen, Fotos machen,
beim Schwimmen naß und dann beim Duschen seifrig,

beizeiten ernst, doch stets bereit zu lachen;
so stellte sich die Gruppe jedem dar.
Wir landeten bei Nacht in Chania.

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Die Ankunft

Wir landeten bei Nacht in Chania,
vom Lichterglanz der Stadt erfreut geblendet,
denn leicht verspätet hat der Flug geendet;
doch Dimitri der Fahrer war noch da.

Und im Hotel bekamen wir, obzwar
die Nacht sich fast zum nächsten Tag gewendet,
in Freundlichkeit ein kretisch Mahl gespendet.
Zufrieden, glücklich, dankbar war die Schar.

Und bald nach kurzem Schlummer frisch und munter,
leichtfüßig schwebten wir die Treppe runter,
wohlwissend, daß von jetzt an Tag für Tag

Geschichte, Klöster, Kunst und seltene Funde
uns fordern werden, und zu jeder Stunde.
Wir ahnten nur, was alles kommen mag.

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Die Insel

Wir ahnten nur, was alles kommen mag.
Zwar kannten wir schon eine ganze Menge
von dieser schönen Insel, ohne Frag:
Die Ebenen, die Küsten, ihre Hänge

im Ida, Dikti, in den Weißen Bergen;
wir hörten viel von ihrer Schluchten Enge,
wo Menschen schrumpfen wehrlos hin zu Zwergen,
selbst heute im touristischen Gedränge,

von ihrer sagenhaften Gastfreundschaft,
von der die Kunde bis zu uns gedrungen,
von Freiheitshelden und von deren Kraft,

die nicht nur Kazantzakis hat besungen.
All das, was leicht verborgen in uns stak,
jetzt offenbart es sich mit einem Schlag.

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Die Samariá-Schlucht

Jetzt offenbart es sich mit einem Schlag,
daß denen, die bequem auf weichen Kissen
tagtäglich die Computer-Fahne hissen,
ein steiler Abstieg durchaus wird zur Plag.

So fraß auch mir die Schlucht ein Bein. Ich sag
es deutlich: "Ja, ich fühlte mich beschissen,
und es tut ehrlich wirklich gut zu wissen,
was Freundschaftsdienst der Gruppe da vermag."

Als eine junge, schöne, schwarzgelockte
Kreterin mir hilfreich bot die Hand,
da dachte ich - denk ich - wie alt ich bin,

ergriff sie, schritt, obwohl der Atem stockte,
mit sicheren Schritten an den andern Strand.
Die grandiose Schlucht bleibt mir im Sinn.

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Die Fahrt zur Schlucht

Die grandiose Schlucht bleibt mir im Sinn.
Doch schon die Fahrt, die wir zuvor genossen,
als blutrot über Felsen ausgegossen
die Sonne schickte erste Strahlen hin,

schon diese Fahrt, sie haftet fest im Sinn.
Dazu noch hatte Dimitri beschlossen:
Mit einem Raki wird die Fahrt begossen!
Er spendet ihn, was schmälert den Gewinn.

Wir kamen hoch zur Ebene Omalos
und sahen, wie Ziegen auf den Bäumen saßen,
genüßlich Blätter von den Zweigen fraßen.

Auch sahen wir der Omnibusse Troß.
Dies oben - nein - der Anblick war nicht fein.
Wir stiegen äußerst schnell zum Abstieg ein.

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Fahrt nach Heraklion

Und auf der Fahrt dann nach Heraklion
besuchten wir den Friedhof Máleme.
Soldaten liegen hier; Mann, Bruder, Sohn;
liest man die Lebensdaten, tut es weh.

Und über Réthymnon ging's nach Arkadi,
dem schicksalhaften Kloster in der Höh.
Die selbstgelegte Todessprengung war die
verzweifelt letzte Lösung, wie ich seh.

Wir fuhren weiter zu historischen Orten,
zum Flecken mit dem Namen Fódele,
geschlossen waren leider alle Pforten;

so ganz beherrschen sie noch nicht den Dreh,
wie man mit großen Söhnen Kohle macht.
El Greco? Wir? - In Spanien schon gemacht!

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Minoische Paläste

Heraklion wurd' jetzt das Standquartier.
Von dort aus gingen mehrfach wir auf Tour,
denn die Paläste Minos' liegen hier.
Wir folgten tiefbeeindruckt ihrer Spur.

In Knossos: Thronsaal, Höfe, Megaron,
die Säulen bunt, den Lilienprinz im Flur;
Sir Evens spendete Zement und Ton;
Genuß für's Auge, bis zum heutigen jour.

Leicht anders Festos, Ágia Triáda,
im Süden unten, fast am andern Meer,
nicht weit vom mächtigen Massiv des Ida,

auch der berühmte Diskus stammt hierher;
und voll markant und schön die Treppe hier.
Wir fuhren nicht gleich heim ins Standquartier.

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Messará-Ebene und Górtys

Wir fuhren nicht gleich heim ins Standquartier,
denn tief vor unsern Füßen ausgebreitet
dehnt sich - ein Anblick, der die Augen weitet -
der Landstrich, der schon weckte Roms Begier:

Fruchtbare Ebene von Messará.
Hier ward für Romas Brot das Korn bereitet.
Wir schwammen, staunend durch sie durchgeleitet,
vor Hippie-Höhlen dann bei Matala.

Zuvor noch hatten Górtys wir besichtigt,
zuzeiten Hauptstadt unter Roms Regime,
Gesetze gab es hier, in Stein, gewichtig;

und Paulus landete mal kurz bei ihm.
Auch stand die Zeus-Platane einstens hier,
wo turtelte Europa mit dem Stier.

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Santorin

Per Fährschiff fuhren wir nach Santorin,
vier Stunden braucht man locker bis dahin.
Wir sahen dort die Stadt von Akrotiri,
verschüttet durch gewaltige Eruption.

Was da exakt geschah, erfahren wir nie;
die Menschen damals flohen vor Angst davon.
Selbst Kreta hat darunter sehr gelitten,
doch wie genau, darüber wird gestritten.

Jahrtausende die Stadt im Bimsstein lag,
bevor man anfing jüngst, sie auszugraben;
wir konnten Straßen dort und Häuser sehen,

versiegelt, wie's der Archäologe mag,
auch Bilder, beispielsweise Fischerknaben,
doch leider sind die alle in Athen.

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Rückfahrt von Santorin

Die Rückfahrt abends startete in Thira,
der fotogenen Stadt am Felsenrand.
Ein Eselsweg führt runter dort zum Strand.
Die Treiber wollen Drachmen, keine Lira.

Und als per Tender wir an Bord gegangen,
und jeder dort für sich ein Plätzchen fand,
da fragte einer, wem denn nun bekannt,
wodurch - er sollt es sagen unbefangen -

Maulesel sich vom Maultier unterscheidet;
wann ist die Mutter Esel, wann das Pferd?
Nur einer wußt's, wir hatten ihn beneidet,

da sagte er noch: "Oder umgekehrt".
Das Schiff fuhr zügig ohne weiteren Stopp;
ein paar von uns die spielten Doppelkopp.

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Kritsá

Kritsá, die schönste Kirche auf der Insel,
ganz nah bei Ágios Nikólaos,
sie ist - kein Fleckchen zeigt sich farbenlos -
dreischiffig ausgemalt mit edlem Pinsel.

Ich nenne stellvertretend diese hier
für alle Kirchen, die wir sahen, bloß,
so wissen wir, sie alle ruhen im Schoß
der orthodoxen Kirche - folgen ihr,

und das bereits seit Hunderten von Jahren,
selbst als die Muselmanen hier regierten.
Die Kirche half, den Freiheitssinn zu wahren.

Und wenn die Kreter wieder Kriege führten,
waren ihre frommen Männer stets dabei;
und so blieb Kreta fromm und wurde frei.

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Lasithi-Hochebene

Und oben hoch, da kamen wir im Dikti
zu diesem wunderschönen Hochplateau;
es ist die Ebene Lasithi,
wo Zeus als Kind versteckt gelebt und wo

weit mehr als tausend malerische Mühlen
einst kühles Wasser förderten und so,
so konnten sich verfolgte Menschen froh,
zufrieden, sicher, vielleicht glücklich fühlen.

Der Wind bläst heute leer durch diese Mühlen,
fast alle sind nicht mehr mit Tuch bespannt.
Die Männer sitzen stumm auf ihren Stühlen.

Und wir? Wir haben messerscharf erkannt:
Das Wasser fördern jetzt Elektro-Pumpen!
Uns hat das schon ein weniges gestunken.

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Kazantzakis' Grab und Jouchtas

"Ich hoffe nichts, ich fürchte nichts, ich bin frei"
Auf Kazantzakis' Grab stehen diese Worte.
Ehrfürchtig harren wir an diesem Orte.
In allen Sprachen "FRIEDEN" steht dabei.

Jetzt weitet sich der Blick zum Berge Jouchtas,
achthundert Meter hoch und ringsum frei.
Das kenntnisreich-geübte Auge sucht das
bekannte mythisch Zeusgesicht dabei.

Am Sonntag sind wir dann hinaufgestiegen,
begeistert zeigten alle sich dabei,
und mancher wäre oben gern geblieben;

man fühlte unbeschwert sich dort und frei
an diesem unbeschreiblich schönen Orte.
Zu schildern viel zu schwach sind alle Worte.

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Archánes

Am selben Sonntag sahen wir Archánes,
wo wiederum Minoer einst gebaut.
Schon Evans sagte damals hier: "Ich ahn es,
im Boden liegt gar manches noch verstaut."

Es gibt Paläste, eine Totenstadt
in Fourni, wo es anscheinend nicht sehr laut,
dazu - die Forscher haben echt geschaut -
fand nahebei ein Menschenopfer statt.

Und dieser unser letzter Tag auf Kreta,
gelungen, wie die ganze Woche war.
Zum Ausklang saßen wir dann etwas später

im Garten der Taverne fröhlich da.
Dionysos und Bacchus waren platt,
und auch Verbrüderungen gab es satt.

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Freiheitssinn der Kreter

Laßt uns, bevor wir Kreta nun verlassen,
zurückschauen auf der Kreter Freiheitssinn.
Die Frühkulturen können wir belassen,
denn erst die Teilung Roms war der Beginn.

Die Kreter wurden Ostrom zugeschlagen,
und griechisch-orthodox war stets ihr Sinn.
Auch nicht Venedig wandelt, muß man sagen,
in Hunderten von Jahren ihren Sinn.

Die Türken dann. In mancher blutigen Schlacht
zerbrachen Kreter schließlich deren Macht.
Sie widerstanden, ohne groß zu klagen,

den Türken und Venedig und selbst Rom.
Wie widerstehen sie, so muß man fragen,
dem heute lockenden Touristenstrom.

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Die Insel Rhodos

Am Abend flogen wir zur Insel Rhodos,
wo einstmals stand der kolossale Koloß,
der da die Hafeneinfahrt überspannte
und den die ganze Welt ein Wunder nannte.

Strategisch und klimatisch äußerst günstig
weckt sie Begehrlichkeit; so mancher brannte
darauf und wünschte sehnlich und inbrünstig,
daß man als sein'n Besitz sie anerkannte.

So lebten schon Minoer hier, Mykener,
die Dorer, Griechen und natürlich Römer,
die Johanniter kamen mit den Franken,

viel Bauwerk hier ist ihnen zu verdanken.
Vierhundert Jahre drückt das Türkenlos,
erst neunzehnhundertzwölf wird man es los.

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Die Bauten

Es kamen Italiener, die dann bald
begannen, alte Bauten zu sanieren,
marode Bausubstanz zu reparieren,
auch forsten sie erfolgreich auf den Wald.

Wir konnten so problemlos inspizieren
Paläste, Hospitäler, Ritterstraße
und durften mit Genuß im hohen Maße
dann auf der Straße Sokrates flanieren.

Wir sahen auch die imposanten Mauern
der stärksten Festung einst im Abendland;
sie halfen, manchen Sturm zu überdauern,

doch zeigen sie, so haben wir erkannt:
Durch Furcht und übergroßer Angst Gewalt
gewinnen große Werke oft Gestalt.

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Sehenswürdigkeiten

Die Sieger aus den vielen, vielen Zwisten
sind unbestreitbar wieder die Touristen.
Sie können all die Überreste sehen
und sagen: "Ei, wie ist das wunderschön."

Es ist auch ehrlich alles wunderschön:
Die Hügellandschaft mit den dichten Wäldern,
die Wiesen mit den kultivierten Feldern
und alles, was wir außerdem gesehen:

Apollo-Tempel auf dem Monte Smith,
und Ialisos, die Groß-Stadt Kámiros,
das Kirchlein Ágios Nikólaos,

die Strände und auf's Meer der weite Blick,
die Festung und Akropolis von Lindos,
wo wir dann schwammen in der Bucht von Paulus.

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Hotel am Meer

Wir wohnten herrlich im Hotel am Meer.
Und dort, wo abends dann die Sonn' verschwand,
da lag am Horizont schon türkisch Land;
und manchmal fuhren Schiffe hin und her.

Die ersten Strahlen sahen uns schon schwimmen,
dem Meer entsteigen, lässig mit der Hand
die Wassertropfen wischen und den Sand,
zum Frühstück wieder das Hotel erklimmen.

Erfrischt, gestärkt, bereit zu neuen Taten
begrüßten wir uns pünktlich dann am Bus.
Die meisten von uns konnten kaum noch warten

auf unseres Meisters Guten-Morgen-Gruß,
den regelmäßig er entbot galant,
wir dankten laut mit Herz und mit Verstand.

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Museen

Auf Bildungsreisen Pflicht sind die Museen.
Doch sicher wird ein jeder auch verstehen,
daß hier der Platz nicht ist und nicht die Zeit,
- obwohl zwar prinzipiell dazu bereit -

im einzelnen präzise auszuweisen,
was wir an Unschätzbarem dort gesehen.
Soll ich den Diskus oder Stierkopf preisen?
Nein! Keine Auswahl könnte hier bestehen.

Vor Ort, da hörten wir Erläuterungen
erschöpfend, kenntnisreich, ganz einfach gut;
die sind bis jetzt noch nicht im Ohr verklungen.

Ich hoffe Walter, daß das gut jetzt tut.
Um dies zu fragen, nehme ich mir Zeit:
"War er nicht große Klasse, unser Guide?"

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Reise vom 25. Mai bis 6. Juni 1996